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Maschenhub Faseratlas

Merinowolle

Weich, elastisch und vielseitig – aber nicht automatisch pflegeleicht.

Merinowolle stammt vom Merinoschaf und ist deutlich feiner als viele klassische Wollarten. Sie eignet sich besonders gut für Pullover, Tücher, Babystrick und hautnahe Projekte – entscheidend sind aber Faserfeinheit, Garnkonstruktion, Superwash-Behandlung und Pflege.

weichelastischwärmendhautfreundlich – je nach Feinheit

Eigenschaften beim Stricken

Weichheit

9/10
rustikalsehr weich

vor allem bei feiner Merinoqualität hautnah angenehm

Elastizität

8/10
formlosspringt zurück

hilft bei Bündchen, Pullovern und Passform

Wärme

8/10
kühlwarm

wärmt gut, ohne so schwer zu wirken wie manche Alpaka-Garne

Pflegeaufwand

6/10
unkompliziertachtsam pflegen

Superwash ist pflegeleichter; unbehandelte Merino kann schneller filzen

Micron: warum sich Merino oft weich anfühlt

Micron beschreibt den durchschnittlichen Faserdurchmesser. Je niedriger der Wert, desto feiner biegt sich die Faser auf der Haut – und desto weniger kratzig wird sie meist wahrgenommen.

Ultrafein
unter 16,5 µm

sehr weich, oft für besonders hautnahe Garne

Superfine
16,5–18,5 µm

typisch hochwertig und angenehm direkt auf der Haut

Fein
18,6–20,5 µm

für viele Pullover, Tücher und Alltagsgarne gut geeignet

Mittel
20,6–23 µm

kann robuster wirken; Hautgefühl stärker individuell

Kräftiger
über 23 µm

nicht automatisch schlecht, aber weniger typisch für weiche Hautkontakt-Garne

Micron ist eine starke Orientierung, aber nicht die ganze Wahrheit: Zwirnung, Spinnart, Superwash, Mischung und Maschenprobe beeinflussen das Hautgefühl ebenfalls.

Wofür Merino gut passt

Gut geeignet

  • Pullover und Cardigans mit guter Elastizität
  • Tücher, Mützen und Babystrick, wenn das Garn fein genug ist
  • Socken, wenn Nylon/Polyamid oder eine robuste Konstruktion beigemischt ist
  • Muster, Rippen und Projekte, die Formrücksprung brauchen

Eher prüfen

  • sehr heiße Sommerteile
  • Projekte, die komplett pflanzlich oder vegan sein sollen
  • stark beanspruchte Teile ohne robuste Mischung
  • pflegefreie Alltagsstücke, wenn das Garn nicht superwash behandelt ist

Herkunft: Spanien historisch, Australien heute marktprägend

Merinowolle stammt vom Merinoschaf. Die Rasse wurde über Jahrhunderte in Spanien gezüchtet und streng kontrolliert; lange durften Merinoschafe Spanien kaum verlassen.

Heute ist Australien das mit Abstand wichtigste Produktionsland für Merinowolle und prägt den internationalen Markt. Daneben spielen Neuseeland, Südafrika, Argentinien und Uruguay eine wichtige Rolle.

Für Strickerinnen ist deshalb nicht nur „Merino“ interessant, sondern auch, ob Hersteller Angaben zu Rohfaser, Verarbeitung, Superwash und Zertifikaten machen.

Pflege: lieber lüften als zu oft waschen

Merino muss nicht nach jedem Tragen gewaschen werden. Oft reicht Lüften. Beim Waschen entscheidet das konkrete Garnetikett – besonders ob es superwash behandelt ist.

Waschen

kühl im Wollwaschgang oder per Hand, nicht rubbeln oder wringen

Waschmittel

mildes Wollwaschmittel, keine aggressiven Enzyme

Trocknen

liegend trocknen, besonders bei größeren Strickstücken

Filzen

Hitze, Reibung und Temperaturwechsel vermeiden; unbehandelte Merino ist empfindlicher

Tierwohl: mulesingfrei nur behaupten, wenn es belegt ist

Bei Merinowolle fragen viele Nutzerinnen nach mulesingfreier Wolle und Zertifizierungen wie RWS. Solche Angaben sollte Maschenhub nicht pauschal aus der Faser ableiten.

Auf Garnseiten sollten Tierwohl-Hinweise nur erscheinen, wenn Herstellerdaten oder belastbare Zertifikate vorliegen. Fehlt die Angabe, ist „nicht bekannt“ ehrlicher als eine Vermutung.

Auf Garnseiten darauf achten

Bei einem konkreten Garn ist nicht nur der Begriff Merino wichtig. Aussagekräftig sind Faseranteil, Pflegehinweis, Superwash-Angabe und belegte Zertifikate.

Heute strukturiert vorhanden
Faserzusammensetzung, Pflegehinweise, Zertifikate
Noch nicht zuverlässig vorhanden
Micron pro Garn, Rohfaserland, Spinn-/Färbeland

Häufige Fragen zu Merino

Kratzt Merinowolle?

Merino kratzt deutlich seltener als viele klassische Wollarten, weil die Fasern oft feiner sind. Ganz ausschließen lässt sich Kratzen aber nicht: Micron, Zwirnung, Mischung und individuelle Hautempfindlichkeit spielen zusammen.

Was bedeutet Micron bei Merinowolle?

Micron misst den durchschnittlichen Faserdurchmesser. Niedrigere Werte stehen meist für feinere, weichere Fasern. Für hautnahe Garne sind oft Bereiche unter etwa 19–20 Micron besonders interessant.

Kommt Merinowolle immer aus Australien?

Nein. Australien ist heute das mit Abstand wichtigste Produktionsland und marktprägend, aber auch Neuseeland, Südafrika, Argentinien und Uruguay sind relevante Herkunftsländer.

Ist Superwash-Merino besser?

Nicht grundsätzlich. Superwash kann Merino pflegeleichter machen und Filzen reduzieren, verändert aber Griff, Elastizität und ökologische Bewertung. Ob es besser ist, hängt vom Projekt ab.

Was bedeutet mulesingfrei?

Mulesingfrei bedeutet, dass die Wolle ohne Mulesing gewonnen wurde. Maschenhub sollte diese Angabe nur anzeigen, wenn sie vom Hersteller oder durch Zertifikate wie RWS belegt ist.